Gesunde Zähne bis ins hohe Alter
Über 90% der Bevölkerung leidet an Erkrankungen der Zähne und des Zahnbettes, die meisten an Zahnkaries (Zahnfäule) und Parodontopathien (Erkrankungen des Zahnhalteapparates).
| Aufbau des Zahnes: Die oberste Schicht des Zahns, der Zahnschmelz, ist die härteste Substanz im menschlichen Körper und besteht vor allem aus Calciumphosphat. Darunter liegt das weichere Zahnbein (Dentin), das aus Mineralien, Eiweiß und Wasser besteht. Im darunter liegenden Zahnmark liegen viele Blutgefäße und Nerven. Der Zahn ist mit feinen Fasern, der Wurzelhaut, im Kieferknochen befestigt und durch Blutgefäße und Nerven mit dem Körper verbunden. |
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Was ist Karies?
Karies ist eine Erkrankung des Zahnes, bei der die Hartsubstanzen von Schmelz, Dentin und/oder Zement langsam zerstört werden. Es ist ein Prozeß, bei dem sich Bakterien in den Zahn hineinarbeiten. Zuerst wird der harte Schmelz ruiniert, dann die weichere Dentinschicht. Jetzt kann der Zahn auch schmerzen. Karies führt unbehandelt zur Verfaulung der gesamten Zahnkrone.
SÜßES MACHT DIE ZÄHNE SAUER!
Entstehung von Karies:
In unserer Mundhöhle leben ca. 50 Milliarden Bakterien, die ungefähr 300 verschiedenen Arten angehören. Sie ernähren sich vor allem von Zucker und Speiseresten. Solange das natürliche Gleichgewicht stimmt, gibt es keine Probleme. Nur wenn durch schlechte Mundhygiene oder falsche Ernährung die Mundhöhle gestört wird, nehmen die schädlichen Bakterien überhand.
Die Bakterien bilden zusammen mit klebrigen Speiseresten und Zucker einen zähen, fest an den Zähnen haftenden Zahnbelag, die sogenannte Plaque.
Diese Plaque ist die Ursache für Karies und Parodontopathien.
Die schädlichen Bakterien nehmen Zucker aus der Nahrung auf und bauen ihn innerhalb von wenigen Minuten zu Milchsäure und anderen Säuren ab. Diese Säuren lösen Calciumphosphat und andere Mineralien aus dem Zahnschmelz raus; machen den Zahn brüchig und löchrig.
Die Plaque läßt sich durch richtiges Zähneputzen entfernen, entsteht aber nach jeder Mahlzeit von neuem.
Was sind Parodontopathien?
Bei den Parodontopathien werden Zahnhalteapparat und Zahnbett geschädigt. Setzt sich Plaque am Übergang zwischen Zahnfleisch und Zähnen längerfristig fest, so setzen Bakterien Giftstoffe frei, die in das Zahnfleisch eindringen und eine Entzündung auslösen. Dieses wird dunkelrot, geschwollen und blutet schnell. Es können Zahnfleischtaschen entstehen, die unbehandelt zu Zahnfleischschwund und Knochenabbau führen. Dies kann bis zum Zahnverlust gehen.
Aber auch hier ohne Plaque keine Erkrankung.
Karies-Prophylaxe wird durch 4 Maßnahmen betrieben:
1.richtige Ernährung
2.sachgerechte Zahnpflege
3.Zahnhärtung durch Fluoride
4.Vorsorge durch den Zahnarzt
1. richtige Ernährung
Zähne und Kauapparat brauchen Arbeit, das heißt etwas zu beißen und zu kauen, um funktionstüchtig zu bleiben. Besonders geeignet sind folgende Lebensmittel:
Bevorzugen Sie zahnschonende Süßigkeiten, die mit Saccharin, Xylit oder Sorbit gesüßt sind. Einige Hersteller kennzeichnen diese zahnfreundlichen Produkte mit dem ZAHNMÄNNCHEN MIT SCHIRM.
2. sachgerechte Zahnpflege
Der gefährliche Zahnbelag darf sich nicht längere Zeit auf der Zahnoberfläche festsetzen. Deshalb müssen die Zähne am besten nach jeder Mahlzeit, zumindest aber nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen mindestens zwei Minuten lang gründlich geputzt werden. Weitere Empfehlungen...
Die Zahnbürste sollte mittelhart sein, eine harte kann das Zahnfleisch verletzen, eine weiche kann bei empfindlichem Zahnfleisch genommen werden. Der Bürstenkopf sollte kurz und dichtbestückt mit Kunststoffborsten sein.
Zahnbürste niemals länger als 2-3 Monate benutzen. Eine neue Zahnbürste entfernt 30% mehr Zahnbelag als eine 3 Monate alte!
Die Putztechnik sollte einmal vom Zahnarzt demonstriert werden. Kräftig schrubben darf man nur noch auf den Kauflächen. Die Außen- und Innenflächen werden mit Rüttel-oder Kreisbewegungen bearbeitet, und zwar immer von Zahnfleisch in Richtung Zahn, also von ROT NACH WEIß.
Zur Kontrolle der richtigen Putztechnik können sog. Plaquefärbetabletten aus der Apotheke nach der Zahnreinigung gekaut werden. Dabei werden noch vorhandene Plaquereste rot gefärbt - eine interessante Erfahrung für Kinder und Erwachsene.
Elektrische Zahnbürsten sind eine gute Anschaffung und erleichtern die Arbeit sehr.
Zahnpflege-Kaugummis für die Reinigung zwischendurch oder in Ausnahmefällen statt Zahnbürste sind eine gute Sache. Inzwischen gibt es auch zahnpflegende Pastillen und Bonbons für Personen, die keine Kaugummis kauen können (z.B. Gebißträger). Sie haben eine neutralisierende Wirkung auf entstandene Säuren.
Zahnpasta erleichtert den Reinigungsvorgang und wirkt neutralisierend
auf Säuren. Es gibt eine große Auswahl an Inhaltsstoffen, die ergänzende Wirkung auf Zahnfleisch
(adstringierend, kräftigend)und Zahn (reinigend durch Schleifpartikel oder Enzymwirkung etc.) haben.
Fluoridhaltige Zahnpasta härtet den Zahn. Kinder, die beim Putzen noch Zahnpasta schlucken, sollten spezielle Kinderzahnpasta mit vermindertem Fluoridanteil nehmen.
Zahnseide ist zur Reinigung der Zahnzwischenräume unentbehrlich
und wird leider vernachlässigt.
Nur hiermit können die Beläge im Interdentalbereich (zwischen den einzelnen Zähnen) erreicht werden. Zahnseide sollte möglichst ungewachst sein, da diese besser reinigt, und evt. mit Fluorid getränkt sein. Für Anfänger wird die gewachste Zahnseide empfohlen, da sie weniger einschneidet.
Interdentalbürsten werden nur bei größeren Zahnzwischenräumen
benötigt, auch sie reinigen die Zahnzwischenräume.
Zahnhölzer sollten nur in der abgeschrägten Dreikantform benutzt werden und keine Billigware, die splittern kann.
Mundwasser gibt es heute nicht mehr nur für frischen Atem. Moderne Spüllösungen werden prophylaktisch und therapeutisch bei Karies und Parodontitis angewendet. Sie enthalten Fluoride und/oder desinfizierende Bestandteile zur Bekämpfung der Plaque-Bakterien.
Mundduschen können nicht uneingeschränkt empfohlen werden.
Sie können einerseits Speisereste entfernen, jedoch im Einzelfall Entzündungsherde ( Zahnfleischtaschen)
ausweiten.
3. Zahnhärtung durch Fluoride
Fluoride wirken 3-fach:
Bei der Fluoridierung werden durch Aufbringen von fluoridhaltigen Zahnpasten, Gelen und Lacken (letztere nur vom Zahnarzt) den Zähnen Fluorid zugeführt. Diese lagern sich in den Zahnschmelz ein und stärken seine Struktur. Dadurch wird der Zahn widerstandsfähiger gegen die Säureangriffe. Empfohlen wird neben der Benutzung fluoridhaltiger Zahnpasta ab dem 6.Lebensjahr die Anwendung eines Fluoridgels 1mal wöchentlich.
Die Fluorideinnahme in Form von Tabletten hat besondere Bedeutung während der Bildung der ersten Zähne, also vom Säuglingsalter an.
Hier eine Übersicht über altersabhängige Maßnahmen zu Fluoridierung der Zähne:
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Säuglinge bis Kinder unter 2 Jahren |
1 Tablette mit 0.25mg Fluorid täglich, mit Vitamin D kombiniert zur Rachitisprophylaxe, werden am besten abends vor dem Schlafen gegeben |
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Kinder ab 2 Jahre |
Zusätzlich 2 x täglich Zähneputzen mit einer Zahnpasta ohne Fluorid (siehe Ergänzung unten) |
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Kinder ab 3 bis unter 6 Jahren |
1 Tablette mit 0,5mg Fluorid, zusätzlich 2 x täglich Zähneputzen mit einer Kinderzahnpasta mit reduziertem Fluoridgehalt. |
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Kinder ab 6 Jahren |
1 Tablette mit 1,0mg Fluorid, zusätzlich 3 x täglich Zähneputzen mit einer Fluoridzahnpasta ( nicht mehr Kinderzahnpasta, wenn Zahnpasta nicht mehr verschluckt wird ), zusätzlich 1 x wöchentlich Anwendung eines Fluoridgels (apothekenpflichtig), zusätzlich 2 x jährlich Applikation eines Fluoridlacks durch den Zahnarzt |
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Jugendliche und Erwachsene |
3 x täglich Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta, zusätzlich 1 x täglich fluoridhaltige Spüllösung nach dem Zähneputzen, empfehlenswert 1 x wöchentliche Anwendung eines Fluoridgels und Gebrauch von fluoridiertem Speisesalz im Haushalt. |
Bei Kindern unter 3 Jahren sollte keine fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden, wenn diese durch Fluoridtablettengabe oder Verwendung von fluoriertem Speisesalz im Haushalt bereits Fluorid zu sich nehmen.
Die Fluoridtabletten können bei größeren Kindern evt. weggelassen werden, wenn als Alternative im Haushalt fluoriertes Speisesalz (Jodsalz mit Fluor) verwendet wird. Eine Überdosierung von Fluorid macht sich mit grauen Flecken auf dem Zahnschmelz bemerkbar. Im Zweifelsfall den Zahnarzt konsultieren, weil der das individuelle Kariesrisiko einschätzen kann.
4. Vorsorge durch den Zahnarzt:
Durch regelmäßige Besuche beim Zahnarzt hat dieser Kontrolle über evt. doch auftretende Karies oder Parodontitis (im Volksmund Parodontose). Er kann einen Fluoridlack mit Langzeitwirkung auf die Zähne auftragen. Durch eine sog. Fissurenversiegelung werden gefährdete Zahnbereiche im Vorfeld vor Karies geschützt.
Ferner kann der Zahnarzt einen persönlichen Karies-Risikotest durchführen, bei dem die individuelle Speichelzusammensetzung (Anzahl der karieserzeugenden Bakterien) Aufschluß über das individuelle Kariesrisiko gibt.
Ein kranker Zahn kann weitere Erkrankungen des Körpers zur Folge haben.
An der Wurzelspitze toter Zähne oder in entzündeten
Zahnfleischtaschen können sich Eiterherde bilden, die Bakterien und Giftstoffe in den Blutkreislauf abgeben.
In manchen Fällen, z.B. wenn der Körper geschwächt ist, können diese an Knochen, Gelenken,
Nerven, Muskeln, Augen, Ohren, Mandeln, Magen, Nieren, Herz-und Blutgefäßen angreifen. Dies führt
zu vielfältigen Folgeerkrankungen.
Wir hoffen, Ihnen die Wichtigkeit einer richtigen Zahnpflege deutlich gemacht zu haben und helfen Ihnen gerne bei weiteren Fragen.
Zum Schluß ein kleiner chemischer Versuch, der Schulkindern den Sinn eines Fluoridgels eindeutig demonstriert:
Ein Hühnerei wird ca. 4
Minuten in einen mit Fluoridgel benetzten Eierbecher gestellt und anschließend in Essig gelegt. An der unbehandelten
Eierschale entstehen Gasbläschen, die den Angriff der Säure an calciumhaltiger Eierschale demonstriert,
während die mit Fluorid benetzte Stelle keine Gasbläschen zeigt und somit nicht von der Essigsäure
angegriffen wird. Genauso wird der calciumhaltige Zahn durch Fluorid vor dem Angriff der Säuren geschützt.
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