Die Wechseljahre ( Klimakterium)
Definition: der meist zwischen dem 45.und 53. Lebensjahr liegende Lebensabschnitt der Frau, der durch das allmähliche Verlöschen der Eierstocktätigkeit gekennzeichnet ist.
Etwa ab Mitte vierzig reift nicht mehr jeden Monat eine Eizelle heran, es findet also auch kein regelmässiger Eisprung statt. Die Monatsblutungen werden unregelmässig und oft stärker.
Die sog. Menopause, so wird die letzte Blutung genannt, markiert das Ende der fruchtbaren Zeit einer Frau. Das Durchschnittsalter für die Menopause liegt heute bei 52 Jahren. Die Zeit davor wird als Prämenopause, die danach als Postmenopause bezeichnet. Beide Zeiträume umfassen jeweils 6 bis 10 Jahre.
Während der Wechseljahre verringert sich die Produktion von Östrogenen in den Eierstöcken. Durch den Mangel an Östrogenen können folgende Beschwerden auftreten:
All diese Beschwerden können mehr oder
weniger stark ausgeprägt sein und entsprechend als belastend empfunden werden. Sie können die Lebensqualität
erheblich einschränken.
Therapie der Wechseljahrsbeschwerden:
Durch eine Hormon-Ersatz-Therapie wird der Hormonmangel ausgeglichen, es werden die Hormone zugeführt, die der Körper selbst nicht mehr in ausreichender Menge produziert.
Wirkungen der Hormone:
Die Hormone werden meist als Tabletten oder in Form von hormonhaltigen Pflastern zugeführt. Als Alternative gibt es auch Hormongele, die über die Haut aufgenommen werden oder Spritzen mit Langzeitwirkung.
Dauer der Hormonbehandlung:
Zur Beseitigung der akuten Wechseljahrsbeschwerden werden sie 3 bis 5 Jahre lang eingesetzt.
Um die Spätfolgen eines Hormonmangels zu verhindern sollten sie mindestens 10 Jahre lang eingesetzt werden.
An dieser Stelle einen Hinweis: Wechseljahrspräparate sind keine Verhütungsmittel. Hier werden ganz andere Hormone in anderen Dosierungen benötigt, die auch ganz andere Risiken bergen.
Treten Blutungen während der Östrogenbehandlung auf?
Während einer Hormonersatztherapie hören die Blutungsunregelmässigkeiten auf und werden durch regelmässige, meist schwächere und kürzere Blutungen abgelöst.
Falls mit der Hormonbehandlung erst einige Jahre
nach der letzten Regelblutung, also nach der Menopause begonnen wird, kann auf die regelmässige Blutung verzichtet
werden. Dann wird eine feste Kombination von Östrogen und Gestagen ohne Pause durchgenommen.
Bei welchen Frauen gibt der Gynäkologe reine Östrogene, wann Östrogen-Gestagenkombinationen?
Von Frauen, die keine Gebärmutter mehr haben, können reine Östrogenpräparate eingenommen werden. Frauen mit Gebärmutter erhalten phasenweise auch ein Gestagen, damit die durch Östrogengabe aufgebaute Gebärmutterschleimhaut regelmässig abgestoßen wird.
Was sind eigentlich Hormonpflaster?
Hormonpflaster, sog. transdermale therapeutische Systeme ( TTS) geben den Wirkstoff kontinuierlich- ohne die Leber zu belasten-mehrere Tage lang durch die Haut an den Blutkreislauf ab. Schwankungen, die durch unregelmässige Tabletteneinnahme entstehen können, werden vermieden. Das Pflaster wird auf Hautregionen geklebt, die unbehaart sind und bei Bewegung keine starken Hautfalten bilden. Besonders günstig sind:
Hüfte, obere Gesäßregion und untere Bauchpartie. Die Brust darf nicht beklebt werden, da dies zu einer verstärkten Östrogenwirkung auf die Brust führen könnte. Für eine optimale Haftung sollte die gewählte Hautstelle sauber, trocken, frei von Hautölen, Cremes und Puder sein und keine Wunden aufweisen. Bei jedem neuen Pflaster wird eine neue Stelle ausgewählt, um Reizungen zu vermeiden.
Frauen, die die Pflasterklebstoffe garnicht vertragen, können evt. auf Östrogengele umsteigen. Diese werden alle 24 Stunden auf Oberschenkel oder Unterleib auf eine Fläche von der Größe zweier Handflächen aufgetragen.
Gegenanzeigen, das sind Gründe, die eine Hormontherapie ausschließen:
erhöhte Vorbelastung für östrogenabhängige Krebsarten( Gebärmutter, Brust) in der Familie
bestimmte Erkrankungen der Leber
akute Thromboembolien
Behandlung der Wechseljahrssymptome
mit nicht-hormonalen Methoden:
Es gibt Pflanzenextrakte aus der Traubensilberkerze ( Cimicifuga racemosa), die die psycho-vegetativen Beschwerden bessern können.
Sie lindern Symptome wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Atemnot und Herzrasen. Solche Präparate müssen täglich eingenommen werden, werden gut vertragen und können ohne Rezept in der Apotheke gekauft werden. Die positive Wirkung zeigt sich nicht sofort, sondern erst nach vier- bis achtwöchiger Einnahme.
Johanniskraut in Form von Tee oder Tabletten kann bei nervösen Beschwerden, Unruhe und Schlafstörungen nützlich sein. Auch hier kann sich erst nach 2 Wochen der Einnahme der Erfolg zeigen.
Kava-Kava ist eine Pflanze, die neben beruhigender Wirkung vor allem eine sehr gute angstlösende Komponente hat, die kein anderes pflanzliches Präparat bietet. Kava-Kava ist als Tablette allein und auch in Kombination mit beruhigendem Baldrian zu bekommen und für Angstzustände ideal.
Diese Behandlung bietet jedoch keinen Schutz vor der Osteoporose.
Badetherapien
können ebenso zur Linderung vegetativer Beschwerden wie Schweißausbrüchen, Hitzewallungen, Nervösität und Schlafstörungen durchgeführt werden.
Moorbäder
wirken allgemein durchblutungsfördernd und daher wird ihnen eine evt. Beeinflussung der Eierstockfunktion zugesagt
haben eine gesicherte Wirkung auf Rückbildungserscheinungen im Bereich der Scheide
Dosierung: 12 Teilbäder über 4 Wochen
Solebäder
Haben Einfluß auf das vegetative Nervensystem
und damit auf Nervösität, Reizbarkeit und Hitzewallungen
Wechselbäder mit
Lavendel oder Melisse wirken beruhigend,
mit Rosmarin oder Heublumen anregend und durchblutungsfördernd.
Sie können Teilbäder oder Vollbäder
nehmen, wobei die Temperatur während des Badens langsam erhöht wird.
Was passiert außerdem während der Wechseljahre?
Gewichtszunahme in den Wechseljahren
Etwa 50% der Frauen nehmen deutlich an Gewicht zu, unabhängig von der Einnahme von Hormonpräparaten. Dies liegt vor allem daran, daß der Kalorienbedarf mit dem Alter abnimmt.
Die richtige Energiezufuhr nach Empfehlungen
der DGE ( Deutschen Gesellschaft für Ernährung):
Alter
Energiezufuhr Mann
Energiezufuhr Frau
25- bis 50jährige
2500kcal
2000kcal
51-bis 64jährige
2200kcal
1800kcal
65Jahre und älter
1900kcal
1700kcal
Dies muß natürlich beachtet werden, da mit dem Alter bei gleichem Ernährungsverhalten sowie mangelnder Bewegung das Gewicht allmählich ansteigt.
Durch Gabe von Hormonen wird das Körpergewicht kaum erhöht, auch wenn das ein allgemein bestehendes Vorurteil ist! Zu Anfang einer Hormonbehandlung kann ein Gewichtsanstieg von 2 bis 3 Kilo bemerkt werden, da Gewebe, Haut und Schleimhäute jetzt besser durchfeuchtet sind. Dies sorgt für jüngeres und frischeres Aussehen.
Studien haben hingegen erwiesen, daß Frauen,
die Hormone einnehmen, ihr Gewicht besser kontrollieren.
Gewicht halten........aber wie?
Der mit dem Alter abnehmende Kalorienbedarf muß berücksichtigt werden.
Hier einige Hinweise dazu:
Sport treiben......auch im Alter?
Durch den Östrogenmangel werden im Gehirn weniger sog. Beta-Endorphine gebildet, die auf unser Eßverhalten, Leistungsfähigkeit, Stimmung und Antrieb Einfluß haben.
Sportliche Bewegung kurbelt die Endorphinbildung an und hat dadurch vielfältige positve Auswirkungen auf Stoffwechsel, Leistung, Stimmung, Körpergewicht, Knochenaufbau, Blutdruck und Arteriosklerose.
Zu empfehlen sind besonders Schwimmen, Radfahren, Wandern, Skilanglauf, Gymnastik und Yoga.
Sexualität..... auch im Alter?
Das Interesse an Sexualität kann, muß aber in oder nach den Wechseljahren nicht abnehmen. Bei manchen Frauen wird die Scheidenschleimhaut durch einen Östrogenmangel trockener, es können auch leichter Einrisse und Entzündungen an der empfindlichen Scheidenschleimhaut entstehen. All diese Symptome können durch Hormongabe oder lokale Anwendung einer Östrogencreme verbessert bzw. verhindert werden. Diese Präparate können vom Frauenarzt verschrieben werden.
Der Verzehr von Soja, Buchweizen und Hirse soll
ebenfalls bei trockener Scheide helfen.
Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall
Die Risikofaktoren, die einen Herzinfarkt oder Schlaganfall begünstigen, sind bei Männern und Frauen gleich. Es sind:
Vor den Wechseljahren sind Frauen durch die weiblichen Geschlechtshormone vor Herz-Kreislauferkrankungen geschützt. Danach steigt das Risiko rapide an. Dabei sterben heute 13 mal mehr Frauen an Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems als an Brustkrebs.
Eine Hormonbehandlung in und nach den Wechseljahren reduziert das Herzinfarktrisiko um 50%.
Übrigens ist Rauchen und gleichzeitige
Einnahme natürlicher Östrogene, wie sie in Wechseljahrspräparaten enthalten sind, erlaubt. Abgesehen
davon ist es natürlich gesünder, mit dem Rauchen aufzuhören.
Gedächtnisleistung im Alter
Wissenschaftliche Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen einer Östrogeneinnahme nach den Wechseljahren und einem damit verbundenen positiven Einfluß auf die Gedächtnisleistung.
Nach neuesten Studien soll das Auftreten von
Alzheimer verzögert werden.
Die Wechseljahre des Mannes
Auch bei Männern kann die Produktion des männlichen Sexualhormons ( Testosteron) mit dem Alter abnehmen. Bei Männern können dadurch bedingt folgende Symptome auftreten:
Die meisten Männer schätzen
diese als reine Alterserscheinungen ein. Nur wenige lassen diese Beschwerden durch Testosterongaben lindern.
Oben angesprochene Probleme der Osteoporose oder Blasenschwäche
werden ausführlicher behandelt als selbständige Themen des Monats. Bei Bedarf können Sie sich dort
informieren.
Hier noch ein paar nützliche Hinweise:
Infocenter Wechseljahre für anonyme fachärztliche Auskünfte:
Montags 14 - 17Uhr, Tel.: 069/ 31405338.
Hotline gibt Auskunft über Menopause:
Klinikum Benjamin Franklin Berlin
Tel.: 030/ 84454261.